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Wie stellt Ihr Euch liberale Umwelt- und Klimapolitik vor?

Das Grundprinzip ist für mich, wie überall, ein vernünftiges Abwägen unterschiedlicher Interessen. Unsere Umwelt ist dabei in jedem Fall schützenswert. Sie hat einen Wert für den Menschen, und das nicht nur aus monetären Gesichtspunkten. Natur stiftet uns ein Gefühl von Identität und Heimat. Jeder, der schon mal in einer Hütte in den Alpen aufgewacht ist, weiß was ich meine. Wir müssen unsere Umwelt jedoch gemeinsam so gestalten, dass dabei Konflikte widerstreitender Interessen gelöst werden können. Hier gilt es für uns, ein enges Zusammenspiel von Gesellschaft und Politik zu fördern.

 

„Ein Staat ohne starke Gesellschaft ist schwach. Er kann seine Bürger nur durch Verbote zu Handlungen zwingen.“


Ich bin aber der Überzeugung, dass negative Sanktionen wie Verbote gerade im Bereich des Umweltschutzes genau der falsche Weg sind. Vielmehr muss Politik da ansetzen, wo Menschen schon jetzt ein hohes Interesse am Schutz unserer Umwelt und der Frage der Nachhaltigkeit haben und diese Bestreben unterstützen.

 

sunrise-1703357Heimat und Identität sind – gerade hier bei uns in Bayern – starke Gefühle, die durch unsere atemberaubenden Landschaften, die klare Bergluft oder die facettenreiche Flora und Fauna gestiftet werden. Und wo solche starken Gefühle am Werk sind, kommt es immer zu Konflikten. Werden diese aber für alle Parteien zufriedenstellend vermittelt, kann auch ein gemeinsames Ziel erreicht werden.

Ähnlich ist es beim Klimaschutz. Unsere zentrale Aufgabe ist es, den Spalt zwischen einer sozialen Marktwirtschaft, die Armut bekämpft, technischem Fortschritt, dem besten Mittel gegen den globalen Hunger, und einem effizienten Schutz vor dem Klimawandel zu überwinden.
Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass gerade beim Thema Klimaschutz Problemstellungen und daraus abgeleitete politische Lösungsansätze eng miteinander verknüpft sind. Die meisten Forderungen hätten, wären sie ehrlich gemeint, desaströse Konsequenzen für unsere Gesellschaft und würden z. B. mit massiver Armutssteigerung der Menschen einhergehen. Doch dass aktuell vorgebrachte Lösungsvorschläge derart aussehen, liegt leider oft mehr an der stets inhärenten Kapitalismuskritik der Fordernden als an der Sinnhaftigkeit real geforderter Maßnahmen.

hummel-482585Anstatt Schwarz-Weiß-Malerei zu betreiben und die Wirtschaft pauschal als Klimaschutzgegner zu verteufeln, sollten wir alle Akteure fragen, was sie bereit sind für den Klimaschutz zu tun und zu was sie darüber hinaus beizutragen imstande wären.

Denn nur wenn alle an einem gemeinsamen Strang ziehen, können wir die Probleme auch global lösen. Dabei müssen wir aber nicht nur Adaption und Mitigation, also Anpassung und Vermeidung, vorantreiben, wie z. B. durch verminderten Emissionsausstoß oder verbesserte Dammanlagen; wir müssen auch unsere Institutionen auf Nachhaltigkeit ausrichten.

Um unsere Institutionen nachhaltig gestalten zu können, müssen wir auch zukünftigen Generationen eine Stimme zu geben. Nur wenn deren Interessen strukturiert vertreten werden, kann sich eine Politik auf Langfristigkeit ausrichten. Deswegen brauchen wir eine Ombudsperson auf Landes- und Bundesebenen, die für diese Gruppe sprechen kann.

 

„Deswegen brauchen wir eine Ombudsperson auf Landes- und Bundesebenen, die für zukünftige Generationen sprechen kann.“

 

Deutschland ist gut aufgestellt und kann gerade bei den Emissionszielen des Paris Abkommens zum 2-Grad-Ziel mit gutem Beispiel voranschreiten. Dazu muss es aber eine Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik geben. Anstatt Unternehmen zu dämonisieren und gesellschaftlichen Fortschritt auszubremsen, täten wir gut daran, alle gemeinsam an einem Wandel zugunsten unserer Umwelt zu arbeiten, damit wir sie den kommenden Generationen guten Gewissens hinterlassen können. Denn das ist eben unser liberales Credo: Mit Mut und Optimismus die Dinge gemeinsam anpacken!

 

 

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Dr. Lukas Köhler ist 30 Jahre alt und hat Philosophie in München, London und Manila studiert. Zurzeit arbeitet er als Geschäftsführer des Zentrums für Umweltethik und Umweltbildung in München und ist seit November 2014 der Landesvorsitzende der Jungen Liberalen Bayern.

 

Er ist außerdem Kandidat zur Bundestagswahl 2017 der Freien Demokraten München-West und Spitzenkandidat der Jungen Liberalen Bayern.